Media Governance and Industries Lab Blog

Hinter den Kulissen: Geschlechterdiskriminierung in der Filmindustrie

by Elisa Stadlbauer

The following blog post was originally published on The REBOOT Project website.

In der glamourösen Welt des Films, wo Glitzer und Glamour die Leinwand beherrschen, verbirgt sich hinter den Kulissen eine weniger schillernde Realität. Während die strahlenden Lichter der Preisverleihungen jedes Jahr auf die größten Talente der Branche gerichtet sind, offenbart ein genauer Blick, dass diese Zeremonien oft tief verwurzelte Geschlechterungleichheiten widerspiegeln und verstärken.

Die Filmindustrie ist eine der einflussreichsten Medienbranchen weltweit, erreicht ein Milliardenpublikum und prägt unsere Kultur und Gesellschaft. Allein die Amerikanische Film- und Fernsehindustrie bietet, laut den Ergebnissen der aktuellsten Analyse der Motion Picture Association   2,74 Millionen Arbeitsplätze, zahlt 242 Milliarden Dollar an Gesamtlöhnen und umfasst mehr als 122.000 Unternehmen. Trotz ihrer Größe und Bedeutung bleibt die Branche stark von männlichen Normen dominiert, was die Gleichstellung der Geschlechter erheblich beeinträchtigt (Wallenberg & Jansson, 2021).

Problem der Geschlechterdiskriminierung

Geschlechterdiskriminierung in der Filmindustrie zeigt sich auf verschiedenen Ebenen. Frauen sind sowohl vor als auch hinter der Kamera unterrepräsentiert und sehen sich zahlreichen Hindernissen gegenüber. Studien zeigen, dass Frauen seltener in Schlüsselpositionen wie Regie, Produktion oder Drehbuchschreiben eingestellt werden als Männer (Wallenberg & Jansson, 2021). Laut dem Hollywood Diversity Report 2024 waren im Jahr 2023 nur 31% der Regiepositionen von Top-Streaming-Filmen durch Frauen besetzt, was zwar im Vergleich zum Vorjahr einen Anstieg von 6% darstellt, allerdings weiterhin eine deutliche Unterrepräsentation zeigt.

Ein weiteres signifikantes Problem ist der Gender Pay Gap  . In Österreich betrug dieser 2022 18,4%, und ist somit einer der höchsten geschlechtsspezifischen Lohnunterschiede Europas. In der Filmindustrie verdienen Frauen prinzipiell weniger als Männer. Beispielsweise haben die zehn bestbezahlten Schauspieler im Jahr 2017 insgesamt 488,5 Millionen US-Dollar verdient, während die zehn bestbezahlten Schauspielerinnen nur 172,5 Millionen US-Dollar erhielten (O’Hara, 2021).

Neben finanziellen Ungleichheiten stellen auch geschlechterspezifische Vorurteile und Stereotypen, die die berufliche Entwicklung von Frauen behindern, große Herausforderungen dar. Medien neigen dazu, Frauen in passiven oder sexualisierten Rollen zu präsentieren, während Männer als aktiv und dominierend gezeigt werden. Diese Stereotypen verstärken traditionelle Geschlechterrollen und schränken die Darstellungsmöglichkeiten für Frauen ein.

Einfluss von Preisverleihungen

Preisverleihungen würdigen herausragende Leistungen und fördern Exzellenz in verschiedenen Bereichen. Sie bieten Plattformen, um Erfolge zu feiern, Netzwerke zu bilden und Wissen zu teilen. Jedoch haben Preisverleihungen auch eine symbolische Bedeutung, da sie bestimmte Projekte und Personen als besonders herausragend anerkennen und somit maßgeblich zu einer Karriereförderung beitragen.

In Gesprächen mit Regisseurinnen, Editorinnen, einer Schauspielerin und Intendant:innen von Preisverleihungen erhielt ich wertvolle Einblicke in die Filmindustrie. Besonders aufschlussreich waren die Diskussionen über die Abläufe von Preisverleihung. Preisverleihungen spielen eine zwiespältige Rolle, wenn es um die Ungleichberechtigung von Frauen geht. Zum einen können sie Frauen eine Bühne bieten und somit Aufmerksamkeit erzeugen, andererseits können sie auch zu einer Verstärkung bestehender Ungleichheiten beitragen. Frauen sind bei Preisverleihungen häufig unterrepräsentiert und erhalten weniger Auszeichnungen und Preisgelder als ihre männlichen Kollegen.

Die Teilnahme an Preisverleihungen oder der Gewinn von Preisen kann bedeutende Auswirkungen auf die eigene Karriere haben. Eine Auszeichnung dient in der Branche als Aushängeschild und kann bei Gagenverhandlungen und Rollenangeboten entscheidend sein. Dieser Vorteil gilt aber vor allem den Männern. Für eine Frau kann der Gewinn eines Preises paradoxerweise sogar etwas Negatives bewirken. Eine Interviewteilnehmerin berichtet von einem Fall, in dem der Gewinn eines Preises zu weniger Aufträgen führte. Dieses Phänomen lässt sich auf eine Angst vor zu viel Macht und Überlegenheit von Frauen zurückführen.

Initiativen und Maßnahmen zu Verbesserung

Wie kann man Geschlechterdiskriminierung in Zukunft vorbeugen oder verhindern? Um das Ziel der Geschlechtergleichheit zu erreichen sind mehrere Maßnahmen erforderlich. Dazu gehört die Sensibilisierung für die Kompetenz von Frauen und die gleichberechtigte Besetzung von Jurys und Entscheidungsregimen. Strukturelle Änderungen wie die Einführung von Frauenquoten in der Filmförderung und bei Preisverleihungen sind essenziell. Außerdem sollten vielfältige Drehbücher gefördert werden, die spannende Geschichten über Frauen erzählen.

Fazit

Die Geschlechterdiskriminierung in der Filmindustrie ist ein komplexes und vielschichtiges Problem, das tief in den Strukturen und kulturellen Normen der Branche verankert ist. Preisverleihungen spielen dabei eine ambivalente Rolle – sie können sowohl zur Sichtbarkeit und Anerkennung von Frauen beitragen als auch bestehende Ungleichheiten verstärken. Die Filmindustrie hat das Potenzial, nicht nur Geschichten zu erzählen, sondern auch gesellschaftliche Veränderungen zu fördern. Die vorgeschlagenen Maßnahmen bieten konkrete Ansätze zur Förderung der Geschlechtergleichheit und zur Überwindung struktureller Barrieren. Indem wir uns für Geschlechtergleichstellung einsetzen und diese strukturellen Barrieren abbauen, können wir eine gerechtere und inklusivere Branche schaffen.

References

Andersson, I., & Cook, I. R. (2019). Conferences, award ceremonies and the showcasing of ‘best practice’: A case study of the annual European Week of Regions and Cities in Brussels. Environment and Planning. C, Government & Policy, 37(8), 1361–1379. https://doi.org/10.1177/2399654419825656 

Motion Picture Association. (2022). The American Motion Picture and Television Industry: Creating Jobs, Trading Around the World.  https://www.motionpictures.org/wp-content/uploads/2024/03/MPA_Economic_contribution_US_infographic-1.pdf 

O’Hara, H. (2021). Women Vs Hollywood: The Fall and Rise of Women in Film. Hachette UK.

Ramón, A.-C., Tran, M., & Hunt, D. (2024). Hollywood Diversity Report 2024. Part 2: Streaming. UCLA Entertainment & Media Research Initiative. https://socialsciences.ucla.edu/wp-content/uploads/2024/06/UCLA-Hollywood-Diversity-Report-2024-Film-Streaming-5-23-2024.pdf

Statistik Austria. (2022). Gender-Statistik. https://www.statistik.at/fileadmin/pages/362/Infotext_GenderStatistik_Einkommen.pdf 

Wallenberg, L., & Jansson, M. (2021). On and off screen: Women’s work in the screen industries. Gender, Work & Organization, 28(6). https://doi.org/10.1111/gwao.12748

Ward, L. M., & Grower, P. (2020). Media and the development of gender role stereotypes. Annual Review of Developmental Psychology, 2, 177-199. https://doi.org/10.1146/annurev-devpsych-051120-010630


Elisa Stadlbauer is a B.A. student at the Department of Communication, University of Vienna.

Disclaimer

This blog post is part of the ‘Dissemination, Outreach, and Engagement’ activities organized under Work Package 7 of the REBOOT: Reviving, Boosting, Optimizing, and Transforming European Film Competitiveness project. This project has received funding from the Horizon Europe program of the European Union under the Grant Agreement No 101094769. It does not reflect the views of the European Union and is a publication encapsulated within the project.

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