Media Governance and Industries Lab Blog

Das „Celluloid Ceiling“ der Österreichischen Filmbranche: Der Weg von Regisseurinnen an die Spitze der österreichischen Filmbranche.

by Louisa Zehndner

The following blog post was originally published on The Reboot Project website.

„Momentan sieht es so aus, dass die Zukunft des österreichischen Films jung und weiblich ist.“ (Roland Teichmann, Direktor des Österreichischen Filminstituts, 2004)

Mit dieser Aussage begann Roland Teichmann, der Direktor des Österreichischen Filminstituts, 2004 seine mittlerweile 20 Jahre lange Karriere an der Spitze des Österreichischen Filminstituts. Doch bislang scheint diese Vorhersage unerfüllt zu bleiben. Zwar zeigt der erst kürzlich veröffentlichte Film Gender Report, dass insbesondere im Bereich der Regie, langsam aber sicher mehr Frauen zu finden sind, andererseits bleiben auch in Österreich Debatten über Machtmissbrauch und patriarchale Strukturen nicht aus. Vereine, wie der „FC Gloria“ informieren über #MeToo-Debatten und schaffen einen Raum für Austausch, für Frauen in der Filmbranche. Doch noch immer ist der Weg für weibliche Filmschaffende in Österreich kein leichter. Der Film Gender Report bietet einen guten Überblick über die aktuelle Situation von Frauen in der Branche und zeigt, dass diese noch immer mit kleineren Budgets arbeiten müssen und in den meisten Departements unterrepräsentiert sind. Und das obwohl der weibliche Nachwuchs an den Filmakademien und Universitäten vorhanden ist. Es scheint also Hürden zu geben, die durch Zahlen und Fakten allein nicht erklärt werden können. Ergebnisse im Nachbarland Deutschland, aber auch in Großbritannien haben bereits gezeigt, dass patriarchale Strukturen und Stereotypen darüber, wie der klassische Regisseur sein soll dazu führen, dass Frauen in der Branche mit erschwerten Bedingungen konfrontiert sind (Follows et al., 2016; Hochfeld, 2017) . Auch in den USA wird seit Jahrzehnten im „Celluloid Ceiling Report“ die Lage von Frauen in der Filmbranche und die Gründe, die sie vom Aufstieg auf der Karriereleiter abhalten erforscht (Lauzen, 2020) . Das „Celluloid Ceiling“ bezieht sich auf die Theorie der gläsernen Decke. Diese beschreibt eine unsichtbare Barriere, die im Laufe von weiblichen Karrieren auftritt und Frauen daran hindert, höhere Positionen einzunehmen. Dabei sind nicht geringere Kompetenzen und Fähigkeiten der Grund, warum Frauen diesen Aufstieg nicht schaffen, sondern von Stereotypen und Geschlechterklischees geprägte, versteckte Strukturen (Danziger & Eden, 2007; Hymowitz & Schellhardt, 1986; Krijnen & Van Bauwel, 2021) . In der Filmbranche wird die gläserne Decke als „Celluloid Ceiling“ bezeichnet, angelehnt an das Material, aus dem Filmträger bestehen.

Um auch in Österreich qualitative Daten über die Herausforderungen von weiblichen Filmschaffenden zu generieren, wurden zwischen Mai und Juni 2024 sieben qualitative Leitfragen Interviews mit jungen Regisseurinnen geführt. Die Herausforderungen der jungen Filmschaffenden, wurden dabei anhand von drei Aspekten erfragt. Neben der Rolle von Förderungen und Initiativen, lag der Fokus zudem auf der Repräsentation von Frauen in der Filmbranche, sowie dem Zusammenhang von Stereotypen mit den Herausforderungen von Frauen in der Filmbranche.

Besonders spannend sind dabei die Eindrücke in Bezug auf Stereotypen und Repräsentation von Frauen in der Branche. In den Interviews zeigt sich, dass sich die Unterrepräsentation von Frauen in allen Bereichen der Filmbranche auf die Herausforderungen von Frauen auswirkt. Förderkommissionen, Lehrstühle an Universitäten oder Jurys auf Festivals werden immer noch von männlichen Mitgliedern der Filmbranche dominiert. In den Interviews zeigt sich jedoch ganz klar, dass die Stoffe, die weibliche Filmschaffende zum Leben erwecken, von Männern häufig nicht verstanden werden. Die weiblichen Geschichten und Perspektiven, die die Filme der Frauen erzählen, werden hingegen von anderen weiblichen Filmschaffenden mit viel Verständnis und Nachvollzierbarkeit aufgenommen. Für die Relevanz der Stoffe ist der männliche Blick teilweise blind. Durch die mehrheitlich männliche Besetzung der Branche auf allen Ebenen, finden die weiblichen Stoffe im Vergleich zu denen, ihrer männlichen Kollegen, weniger Verständnis und dementsprechend Förderung und Wertschätzung. Ein weiterer Punkt, der sich aus den Interviews herauskristallisiert, ist die immer noch etablierte Rolle des toxisch-männlichen Regisseurs. Damit können sich die interviewten Regisseurinnen nicht identifizieren. Ihr sanfterer Regiestil auf Augenhöhe führt jedoch zu Misstrauen und Vertrauensverlusten, da dieser Stil von dem abweicht, was sich über Jahrzehnte als klassische Regie etabliert hat. Nicht zuletzt führt das geringere Vertrauen in weibliche Filmschaffende zu niedrigeren Förderungen der Filmprojekte, sowie klischeebehaftetem Verhalten an Filmsets.

Trotzdem zeigen sich die Befragten hoffnungsvoll. Sie spüren bereits die ersten Wirkungen des Gender Incentives, der die Beteiligung von weiblichen Filmschaffenden an Filmprojekten finanziell fördert oder die Quote des Österreichischen Filminstituts. Dennoch bedarf es weiterhin Aufklärungsarbeit, sowie eine regelmäßige Analyse, wie sie der Film Report bietet. Wenn diese Zahlen und Daten weiterhin erhoben werden und zusätzlich mit qualitativen Daten und persönlichen Eindrücken von weiblichen Filmschaffenden ergänzt werden, kann in Zukunft eventuell auch in Österreich das „Celluloid Ceiling“ durchbrochen werden.


Louisa Zehndner is a B.A. student at the Department of Communication at the University of Vienna.

Disclaimer

This blog post is part of the ‘Dissemination, Outreach, and Engagement’ activities organized under Work Package 7 of the REBOOT: Reviving, Boosting, Optimizing, and Transforming European Film Competitiveness project. This project has received funding from the Horizon Europe program of the European Union under the Grant Agreement No 101094769. It does not reflect the views of the European Union and is a publication encapsulated within the project.

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