By Sara Funk
Johann Wolfgang von Goethes „Faust“ ist ein sehr bekanntes und immer wieder gern gelesenes Werk, das sich mit dem Streben nach Wissen, Fortschritt, inneren Konflikten und Berufungen auseinandersetzt. Diese Themen sind vor allem heute, in unserer sehr unsicheren Welt so relevant wie noch nie und werden von der Generation Z, also junge Menschen, die zwischen 1997 und 2012 geboren sind, immer wieder aufgegriffen.
In meinem Blogpost werde ich dieses Streben nach Wissen und der inneren Berufung bei Goethes Faust mit der Gen Z verbinden und untersuchen, welche wahrscheinlich moralischen Fragen sich dabei ergeben.
Streben nach Wissen und Fortschritt in Goethes Faust:
In Goethes Buch ist Faust der sehr gebildete Protagonist, der nach immer mehr Wissen und Erkenntnis in seinem Leben strebt. Er fühlt sich von der damaligen traditionellen Bildung wie
Religion, Chemie oder auch verschiedensten Sprachen gelangweilt und sehnt sich nach einem tieferen Verständnis seiner Welt und seinem Wesen. Fausts Streben wird jedoch von Mephistopheles, einem Teufel, der ihm Macht und Wissen durch dunkele, Gelüste und Verführungen verspricht, in Frage gestellt. Durch diese kommt Faust schlussendlich von seinem Weg ab. Mephisto stellt die moralischen Gewissensbisse in Bezug auf Fausts Streben dar und warnt ihn davor, dass zu viel Wissen und Macht zu unkontrollierbaren und destruktiven Folgen führen können und schlussendlich auch werden. Faust ignoriert diese Bedenken jedoch aktiv und setzt sein besessenes Streben fort, was ihm schließlich nicht nur zu seinem, sondern auch bei seinem Umfeld und Mitmenschen zum Untergang führen wird. Dieses immer wieder erwähnte Streben in Goethes Buch zeigt, dass das Streben nach Wissen und Macht nicht immer unbedingt positiv sein kann und soll, sondern auch definitiv negative Auswirkungen auf die Gesellschaft und die Person an sich haben kann.
Streben nach Wissen und Fortschritt bei der Gen Z:
Wie auch bei Goethes Faust, teilt die Gen Z dieses Streben nach Wissen und Fortschritt, jedoch hier auf eine andere Art und Weise. Für viele junge Menschen geht es allgemein vielleicht nicht nur um persönliches Wissen, sondern auch um den Fortschritt der Gesellschaft, persönliche Erfahrungen und Wissen der allgemeinen Welt das man ohne Erlebnisse nicht hätte. Sie nutzen moderne Technologien sowie Soziale Medien, um sich beispielsweise über globale Probleme oder auch soziale Themen zu informieren, sich zu engagieren und somit aktiv etwas dagegen zu tun. Dabei entstehen jedoch auch öfters moralische Fragen. Der Fortschritt in der Technologie und Wissenschaft kann einerseits viele Vorteile mit sich bringen, aber andererseits auch negative Auswirkungen oder Aspekte auf die Gesellschaft und dessen Umwelt haben. Öfters setzten sich Mitglieder der Gen Z dafür ein, dass der technologische Fortschritt und die dazugehörigen Innovationen verantwortungsbewusst und mit Bedacht vorangetrieben und eingesetzt werden. Das Streben nach Wissen und Fortschritt zeigt bei der Gen Z, dass es wichtig ist, sich nicht nur auf das persönliche Wissen zu beschränken oder zu konzentrieren, sondern auch auf dessen Bilanz, die durch das Streben ausgelöst werden kann. Es muss eine sogenannte Balance zwischen dem Streben nach Wissen und Fortschritt und einer positiven und ausgeglichenen Welt mit aussichtsreichen Auswirkungen gefunden und erschafft werden.
Der Wunsch nach persönlicher Erfüllung und Sinnhaftigkeit:
Neben dem Streben nach Freiheit und die dazugehörende Selbstfindung, legt die Gen Z auch Wert auf persönliche Erfüllung mit positiven Erinnerungen und den Sinn des Lebens zu finden. Dabei geht es teilweise nicht immer nur um das eigene Wohlbefinden, sondern auch bei immer mehr Fällen um einen positiven Beitrag zur Gesellschaft und dessen Umwelt. Dies sieht man beispielsweise in der mittlerweile sehr gewachsenen Beliebtheit von sozialen Berufen wie zum Beispiel Pflegekräfte oder Sozialarbeiter*innen. Auch die Themen Nachhaltigkeit, Tierschutz, und Menschenrechte spielen für die Gen Z eine sehr wichtige Rolle. Wie eine Umfrage des Forschungsinstituts „Heinrich Böll“ zeigte, ist Klimaschutz auch ein sehr relevantes Thema für die Gen Z.
Die Bedeutung von Technologie und Digitalisierung:
Die Gen Z ist die erste Generation, die mit Digitalisierung und konstantem, technologischen Fortschritt aufgewachsen ist. Für sie ist Technologie ein selbstverständlicher Teil des Alltags und viele können es auch nicht mehr wegdenken. Sie nutzen Smartphones, Social Media und Streamingdienste, um sich zu vernetzen, zu informieren und zur Unterhaltung. Hierbei zeigt sich jedoch in den letzten Jahren, ein gewachsenes Bewusstsein für den teilweise negativen Einfluss verschiedenster Technologien. Dieses kann man zum Beispiel an der steigenden Zahl an Cybermobbing Fällen oder auch die stark gestiegene Bildschirmzeit, die dann eine sehr kurze Aufmerksamkeitsspanne zur Folge hat, erkennen. Dennoch wird die Digitalisierung auch bei vielen als eine Chance gesehen, um allgemeine gesellschaftliche Probleme zu lösen und auf diese Aufmerksam zu machen und um somit die Welt mit kleinen Schritten zu verbessern.
Fazit:
Die Gen Z ist eine Generation mit klaren Vorstellungen und Werten. Sie setzt sich für Freiheit, persönliche Erfüllung, Selbstentfaltung und Sinnhaftigkeit aktiv ein. Auch der Umgang mit Technologie und Digitalisierung spielt für sie eine sehr wichtige Rolle. Obwohl unsere Generation öfters vielleicht auch als „apolitisch“ oder „selbstbezogen“ dargestellt wird, zeigt sich in vielen Bereichen ein starkes Engagement. Abschließend kann man also erläutern, dass man nur abwarten kann, wie sich diese Vorstellungen und Werte in Zukunft weiterentwickeln und welchen Einfluss diese auf unsere Gesellschaft haben werden.
Quellen
- Reclam. „Faust. Der Tragödie Erster Teil.“ https://www.reclam.de/data/media/978-3- 15-019152-1.pdf
- Statista. (2022). „Relevante Politische Themen junger Erwachsene.“ https://de.statista.com/statistik/daten/studie/1338037/umfrage/relevante- politische-themen-junger-erwachsener/
- Safer Internet AT. (2022). “Neue Studie: Cybermobbing hat in der Pandemie zugenommen.“ https://www.saferinternet.at/news-detail/neue-studie-cyber- mobbing-hat-in-der-pandemie-zugenommen
- Heinrich Böll Stiftung (2019).“Ein Jahr Fridays For Future – Erste umfassende Studie veröffentlicht.“ https://www.boell.de/de/2019/08/19/ein-jahr-fridays-future-erste- umfassende-studie-veroeffentlicht
- Spiegel Online. (2023). „Warum die Generation Z anders arbeiten will – und damit jetzt alle ansteckt.“ https://www.spiegel.de/start/work-life-balance-warum-die- generation-z-anders-arbeiten-will-und-damit-jetzt-alle-ansteckt-a-2b4d84c1-f53f- 4fca-ab51-6f4c1c8bbd39
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