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Klimaaktivismus und demokratische Rechte – Welchen Einfluss hat die Berichterstattung in den Medien auf das Klimabewusstsein der Bürger:innen?

By Eva Schröder

Der Klimawandel ist eine der größten Herausforderungen unserer Zeit, und der Klimaaktivismus spielt eine wichtige Rolle bei der Schaffung eines Bewusstseins für die Dringlichkeit von Maßnahmen zum Klimaschutz. Klimaaktivismus ist längst zu einer weltweiten Bewegung geworden, und die Medien spielen dabei eine entscheidende Rolle – sie verbreiten Informationen und beeinflussen den öffentlichen Diskurs. Sowohl negative als auch positive Darstellungen in den Medien finden statt, was die Frage aufwirft, inwieweit der Klimaaktivismus das allgemeine Verständnis des Klimawandels, und unsere demokratischen Rechte beeinflusst, um sich für den Klimaschutz einzusetzen.

Klimaaktivismus in den Medien

Die Medien haben die Macht, das Bewusstsein der Öffentlichkeit zu formen und den Diskurs über den Klimawandel zu prägen. Wie die dort vermittelten Inhalte uns in unseren unterschiedlichen Alltagssituationen erreichen, hängt von äußeren Umweltfaktoren ab, aber auch von unseren inneren Einstellungen. Neudeutsch könnte man auch sagen, je nachdem in welcher Bubble ich mich aufhalte, bekomme ich auch nur die entsprechenden Inhalte präsentiert. Selektive Wahrnehmung, ich sehe das, was ich will, was zu mir passt. Wenn ich genauer hinschaue, kann ich auch das große ganze sehen, diskutieren – auch mit mir selbst. Letztendlich geht es um die Frage, welche Einstellungen ich mit mir vereinen kann, und was ich an dieser Stelle vertreten möchte. Journalismus zeigt uns die Fakten, je nach Quelle in unterschiedlichen Settings dargelegt. Was unabhängig davon immer gelten sollte, ist Inhalte zu hinterfragen, warum wird darüber berichtet? Was steckt hinter den Aktionen? Dass die Klimathematik mehr in den Fokus rücken sollte, ist einerseits offensichtlich, Auswirkungen des Klimawandels treten bereits ein, Wissenschaftler zeigen die Risiken und künftige Folgen auf. Wissen dazu ist also vorhanden. Gleichzeitig ist das Thema bereits so stark im Fokus, dass man es manchmal fast nicht mehr hören kann. Schließlich weiß man ja irgendwie Bescheid, und was kann man denn jetzt wirklich grade ändern, als Einzelperson?

Einfluss auf das Verständnis zum Klimawandel

Einige Medien loben die Aktivist:innen für ihr Engagement und ihren Einsatz für den Klimaschutz, während andere den Aktivismus kritisieren, und ihn als radikal oder übertrieben darstellen. Diese unterschiedlichen Perspektiven können das allgemeine Verständnis des Klimawandels beeinflussen und die öffentliche Meinung darüber formen, denn je nach Rezipient:in formen sich unterschiedliche Meinungen. Das soll auch so sein, so entsteht ein Diskurs, Potenzial für neue Ansätze, das Thema bewegt sich und bleibt nicht stehen. Dennoch ein schmaler Grat. Durch ihre Aktionen und Forderungen bringen die Aktivist:innen die Dringlichkeit des Klimawandels zum Ausdruck, und betonen die Notwendigkeit von Maßnahmen zum Schutz unserer Umwelt. Die Intention ist also positiv, es soll sich etwas verändern und es muss sich etwas verändern. Damit das auch jede:r mitbekommt, muss es eben manchmal etwas lauter werden.

Positive Berichterstattung kann also dazu beitragen, das allgemeine Verständnis des Klimawandels zu verbessern, und das Bewusstsein für die Auswirkungen des menschlichen Handelns auf die Umwelt zu schärfen. Positive Berichterstattung heißt in diesem Zusammenhang nicht, dass die teilweise durchaus extremen Aktionen verherrlicht werden, positive Berichterstattung heißt dann, dass ein Verständnis dafür entsteht, welche Intention hinter dem Aktivismus steht. Auch positive Berichterstattung kann die Aktionen kritisch

hinterfragen, an dieser Stelle schließt sich wieder der Kreis – Inhalte sollten generell hinterfragt werden, die Botschaft muss aber verstanden werden (können). Negative Berichterstattung kann jedoch dazu führen, dass der Klimawandel als weniger dringend wahrgenommen wird, oder Zweifel an den wissenschaftlichen Erkenntnissen gesät werden. Das Verständnis und die Bereitschaft, Maßnahmen zum Klimaschutz zu ergreifen, kann dadurch beeinträchtigt werden, die Thematik bekommt quasi einen bitteren Beigeschmack. Sowohl positive als auch negative Berichterstattung, die sich rein auf die Inhalte der aktivistischen Aktionen bezieht, ist also mit Vorsicht zu genießen. Meinungsanregende Berichterstattung sollte hier immer bevorzugt werden, meinungsbildende Berichterstattung ist immer problematisch.

Einfluss auf demokratische Rechte

Der Klimaaktivismus stellt auch eine Form des demokratischen Engagements dar. Aktivist:innen nutzen ihre demokratischen Rechte wie Meinungsfreiheit, Versammlungsfreiheit und das Recht auf politische Teilhabe, um für den Klimaschutz einzustehen. Die Berichterstattung über den Klimaaktivismus kann die Wahrnehmung dieser demokratischen Rechte beeinflussen. Positive Berichterstattung kann den Aktivismus legitimieren und das Verständnis für die Bedeutung des Einsatzes für den Klimaschutz stärken. Sie kann die demokratischen Rechte und den Wert des öffentlichen Engagements in einer demokratischen Gesellschaft betonen. Im Umkehrschluss hat diese befürwortende Berichterstattung einen ablehnenden Effekt auf diejenigen, die die Aktionen als kritisch ansehen und kann somit die Frage aufwerfen, ob das noch in den tatsächlichen Bereich der demokratischen Rechte fällt. Negative Berichterstattung kann hingegen den Aktivismus diskreditieren und das demokratische Engagement als störend oder illegitim darstellen. Dies kann dazu führen, dass Menschen zögern, sich für den Klimaschutz einzusetzen, aus Sorge vor Stigmatisierung oder negativen Konsequenzen.

Fazit

Die Berichterstattung über den Klimaaktivismus in den Medien hat einen erheblichen Einfluss auf das allgemeine Verständnis des Klimawandels und unsere demokratischen Rechte, um uns für den Klimaschutz einzusetzen. Positive Berichterstattung kann das Bewusstsein für den Klimawandel schärfen, die Dringlichkeit von Maßnahmen betonen und demokratisches Engagement unterstützen. Negative Berichterstattung kann hingegen das Verständnis des Klimawandels beeinträchtigen und das demokratische Engagement diskreditieren. Es ist wichtig, dass die Medien eine ausgewogene Berichterstattung bieten, um ein fundiertes Verständnis des Klimawandels zu fördern und demokratische Rechte zu stärken, damit sich Menschen aktiv für den Klimaschutz einsetzen können.

Quellen

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