By Katharina Berger
Wie können sich junge Erwachsene vor Fake News schützen und wie kann man ihnen den Umgang mit (Qualitäts-)Medien beibringen?
Junge Menschen verwenden immer mehr digitale Medien zur Nachrichtenkonsumation. Vor allem über Social Media verbreiten alle möglichen Nachrichtendienste ihre Meldungen und Berichte.
Ob diese der Wahrheit entsprechen oder nicht, hängt vielfach von der Qualität des Mediums ab, aber wissen junge Menschen welche Medien als „qualitativ“ und vertrauenswürdig gelten? Eine schulische Bildung über den „korrekten“ Umgang mit Onlinemedien ist in Österreich noch nicht weit fortgeschritten, dies wäre allerdings von wesentlicher Bedeutung, vor allem wenn es um „Fake News“ geht.
In mehreren Studien wird eine Auswahl von Medienkompetenzprogramme untersucht. So können die Hauptstoßrichtungen und Komponenten ermittelt werden.
Medienkompetenzerziehung
Grundsätzlich haben junge Menschen sehr wohl die Fähigkeit, die Glaubwürdigkeit von Online- Informationen abzuschätzen. Buckingham (2015) erklärt, dass ihnen beigebracht werden muss, nicht nur die Oberfläche der Nachrichten zu betrachten, sondern auch den Hintergrund und die dahinterstehende Quelle zu untersuchen. Deshalb spielt die Medienkompetenzerziehung eine sehr wichtige Rolle und sollte bereits in der Kindheit beginnen. Lim und Tan (2020) zeigen, dass kulturelle Kompetenzen, soziale Fähigkeiten und eine gute Wissensgrundlage neben dem technologischen Umgang, die Basis dieser Erziehung sein sollten. Dieser Unterricht soll aber nicht nur aus Theorien bestehen, sondern auch einen aktiven Praxisbezug beinhalten. Das heißt, eine direkte Erfahrung mit der
Produktion von „richtigen“ aber auch von „falschen“ Nachrichten. So lernen die jungen Menschen schnell, welche Auswirkungen diese auf die Öffentlichkeit haben, wie Nachrichten entstehen und welche Quellen dahinterstecken. Auch wenn nicht alle diese Medienkompetenz erfahren dürfen, ist es wichtig, dass diejenigen, die sie genießen, die Erfahrungen an andere Gleichaltrige weitervermitteln. Das praktische Lernen und Erfahrungen sammeln unterstreicht die Nützlichkeit von Medienkompetenzprogrammen in jungen Jahren. Quellen prüfen und nicht alles immer sofort glauben, was im Internet steht, ist wohl die wichtigste Erkenntnis bei der Informationssuche bei jungen Menschen.
Unterscheidung Qualitäts- und Boulevardmedien
Die Unterscheidung von Qualitätsmedien und Boulevardmedien soll aber auch Bestandteil der Bildung sein. Dabei sollte der Konsum von weniger qualitativen Medien nicht verboten, sondern mit mehr Bedacht angesehen werden. Nicht immer sind Berichte von Boulevardmedien als „falsch“ zu betrachten, sondern es mangelt oft an tiefgehender Recherche (Gärner, 2022). Somit werden des Öfteren Falschinformationen veröffentlicht und sorgen für Verwirrung. Vor allem junge Menschen, die weniger von der Unterscheidung von Qualitäts- und Boulevardmedien wissen, erachten diese Falschinformationen als richtig. Deshalb sollte auch dieser Unterschied schon in jungen Jahren deutlich erklärt werden. Direkte Vergleiche von Berichten sollen zeigen, welche Unterschiede bei der Recherche gemacht werden. Doch das eigentliche Problem von „Fake News“ betreffen weniger die lokalen Medien, sondern viel mehr die freistehenden Informationen im Internet. Eine Aufklärung beim Umgang zwischen Qualitätsmedien und Boulevardmedien ist zwar von wesentlicher Bedeutung, jedoch spielen diese eine weniger wichtige Rolle bei der Aufklärung mit dem Umgang von „Fake News“. Auch die Unterscheidung zwischen Satire, Fehlinformation und „Fake News“ soll Inhalt dieser Aufklärung sein (Morawietz, 2019).
Aktueller Stand in Österreichs Schulen
Nach aktuellen Umfragen wird eine ausreichende Medienkompetenz in Schulen nur selten durchgenommen. Doch das soll sich in Zukunft ändern, denn vor allem mit dem Aufkommen von Chat GPT beziehungsweise künstlicher Intelligenz wird es zunehmend schwieriger, „Fake News“ mit wahrheitsgetreuen Nachrichten zu unterscheiden (Breakstone, et al. 2018). Aus diesem Grund ist eine frühzeitige Erziehung in diesem Bereich sehr wichtig. Junge Erwachsene, die sich kurz vor dem Eintritt in den Wahlkreis befinden, sollen bereits genügend darüber wissen, damit sie gut auf politische und gesellschaftliche Themen vorbereitet sind. In Österreichs Schulen gibt es zwar immer wieder spezielle Informationstage, doch es Bedarf
nach mehr. Das Einbeziehen von Diskussion, Reflexion und reales Anwenden von Onlineinformation im Unterricht soll zum Alltag werden. Ein regelmäßiger Nachrichtenkonsum soll schon von klein auf gefördert werden. Denn die jungen Menschen leben in einer Zeit, wo Fehlinformationen vor allem über Social Media verbreitet werden und viele nicht in der Lage sind, diese zu bewerten (Kaufman, 2021).
Blick in die Zukunft
Laut aktuellen Berichten ist eine ausreichende Medienkompetenz in Österreichs Schulen noch wenig vorhanden. Doch die Wichtigkeit wird zunehmend bewusster und wird bereits von jungen Lehrerinnen und Lehrern aktiv in den Unterricht eingebaut. Auch im Lehramtsstudium gibt es spezielle Seminare mit dem Fokus auf Medienbildung. Dort lernen die Studierenden, wie man den Kindern und Jugendlichen einen bewussten Medienumgang beibringt. Unter anderem soll auch das Medienvertrauen gefördert und gestärkt werden (Rabe-Matičević & Veith, 2020). Generell ist das Vertrauen laut Russmann & Hess (2020) in die Medien in Österreich sehr niedrig. In der Altersgruppe der 18- bis 24-jährigen gibt es mehr Misstrauen als Vertrauen. Das liegt wahrscheinlich auch an der fehlenden Medienbildung in den Schulen. Ziel ist es deshalb in Zukunft, den Nachrichtenkonsum junger Erwachsener zu steigern. Fakt ist, dass Jugendliche vielfach über Social Media, Nachrichten konsumieren. Deshalb sollte man die dortigen Nachrichtenquellen untersuchen. Generell sind die Nachrichteninhalte in den sozialen Medien im Allgemeinen nicht als problematisch zu sehen. Viele junge Menschen neigen nämlich dazu, die Online-Versionen traditioneller Nachrichtenmedien mit sozialen Medien, Nachrichtenportalen und WhatsApp zu kombinieren. Diese Erkenntnis ist in Bezug auf „Fake News“ schon einmal positiv.
Das grundsätzliche Ziel ist vor allem, Jugendliche vor „Fake News“ besser „warnen“ beziehungsweise „aufklären“ zu können. Dies wäre ein wichtiger Schritt, um die Verbreitung von „Fake News“ einzuschränken. Schlussendlich ist zu sagen, dass eine ausreichende Medienkompetenzerziehung in Schulen sehr wichtig ist, da der Mensch am meisten im Kindesalter lernt.
Quellennachweis
- Buckingham, D. (2015). Do We Really Need Media Education 2.0? Teaching Media in the Age of Participatory Culture. In T. B. Lin, D. T. V. Chen, & C. S. Chai (Eds.), New Media and Learning in the 21st Century (pp. 9–21). Singapore: Springer Science+Business Media.
- Breakstone, J., McGrew, S., Smith, M., Ortega, T., & Wineburg, S. (2018). Why we need a new approach to teaching digital literacy. Phi Delta Kappan, 99(6), 27–32.
- Gärner, C. (2022). Bekämpfung von Fake News. In: Regulierung von Kommunikationsplattformen. Aktuelle Fragen der Umsetzung (pp. 112-135). MANZ’sche Verlags-und Universitätsbuchhandlung GmbH.
- Kaufman, C. (2021). Civic education in a fake news era: Lessons for the methods classroom. Journal of Political Science Education, 17(2), 326-331.
- Lim, S. S., & Tan, K. R. (2020). Front liners fighting fake news: Global perspectives on mobilising young people as media literacy advocates. Journal of Children and Media, 14(4), 529-535.
- Morawietz, H. (2019). Alternative Fakten, Fake-News und Lügen mit dem Internet einfach enttarnen. Alternative Fakten, Fake News und Verwandtes: Wissenschaft und Öffentlichkeit. 41,57.
- Rabe-Matičević, S., & Veith, S. (2020). Medienbildung in der Hochschule. Medien Pädagogik, 39, 103–120. https://doi.org/10.21240/mpaed/39/2020.12.07.X.
- Russmann, U., & Hess, A. (2020). News consumption and trust in online and social media: an in-depth qualitative study of young adults in Austria. International Journal of Communication, 14, 18.
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