Media Governance and Industries Lab Blog

Hat Österreich ein Problem mit Diversität?

By Astrid Zmuegg

Nicht selten beschweren sich in Österreich lebende Menschen über alles, was nicht ihrer „Norm“ entspricht. In vielen Regionen ist der Konservatismus vorherrschend und die Akzeptanz gegenüber dem „Anders“ sein fehlt.

Gerade in den ländlichen Regionen Österreichs kann man es nur schwer nachvollziehen, warum so viele „verkleidete“ Menschen im Juni an den Pride Paraden teilnehmen oder wieso es legitim ist, dass sich Transgender-Frauen auf einer Damen Toilette wohler fühlen. Oftmals werden solche Themen, vor allem Themen, die LGBTQ+ Menschen betreffen, ins Lächerliche gezogen oder einfach ignoriert. Junge Buben lernen, dass sie nicht weinen dürfen, weil sie das stärkere Geschlecht sind und keinesfalls sollten Buben mit Puppen spielen, sonst werden sie ja zu „verweiblicht“. Mädchen, die sich die Haare kurz schneiden, werden als „Kampflesben“ bezeichnet und Jugendliche, die sich als non-binär outen, müssen mit Diskriminierung kämpfen.

Studien zeigen, dass LGBTQ+ Jugendliche häufiger Diskriminierung, Isolation und Mobbing ausgesetzt sind und sich dies negativ auf die psychologische Ebene auswirkt. Solche Diskriminierungen können sogar von Depressionen bis hin zu Suizid führen. Unterdrückung, Schubladendenken und Klischees tragen dazu bei, dass sich junge Menschen nicht individuell entfalten können und sich lieber aus der Gesellschaft zurückziehen.

Die Medien sind schuld

Die Medien tragen eine große Verantwortung gegenüber unserer Gesellschaft und haben gleichzeitig die Macht, die öffentliche Meinung zu beeinflussen. Sie berichten über Themen, die gesellschaftlich relevant sind und worüber die Öffentlichkeit diskutieren kann. Wenn die Medien jedoch eine Gruppe der Gesellschaft nicht ausreichend thematisieren, oder sogar in ein negatives Licht rücken, dann werden sich auch die BürgerInnen weniger für diese Menschen interessieren.

Gerade wenn es um die Repräsentanz von Vielfalt in den Medien geht, kann man erkennen, dass dies in vielen Bereichen noch ausbaufähig ist und unbedingt verbessert werden sollte. Wenn Medien vielfältige Strukturen der Gesellschaft nicht widerspiegeln oder sogar falsche Darstellungen von diversen Gesellschaftsbildern fördern, verstärken sie so die soziale Distanz, welche manche Gruppen bereits voneinander trennt.

In Österreich sind einige Medienhäuser noch weit davon entfernt, eine vielfältige Gesellschaft in ihren Berichten zu repräsentieren. Dabei wäre das gerade für die Entwicklung von Kindern und Jugendlichen von großer Bedeutung.

Diversität ist eine Chance  

Die Forschung hat gezeigt, dass es sich positiv auf das Selbstwertgefühl auswirken kann, wenn junge Menschen mit Diversität in den Medien konfrontiert werden. Junge LGBTQ+ Menschen, die sich selbst verstanden fühlen, weil ihre Themen öffentlich angesprochen werden, können sich selbst und ihre Erfahrungen besser verstehen. Dies ist besonders für Menschen wichtig, die in den traditionellen Medien unterrepräsentiert sind oder an den Rand gedrängt werden, wie LGBTQ+ Menschen, aber auch z. B. People of Color (POC), MigrantInnen oder Menschen mit Behinderungen. Indem sie sich selbst in den Medien dargestellt sehen, können sich diese Menschen besser in die Gesellschaft integriert und akzeptiert fühlen, was wiederum das eigene Gefühl von Wertigkeit stärkt.

Außerdem haben Studien ergeben, dass Kinder, die in den Medien mit vielfältigen und integrativen Darstellungen verschiedener Ethnien, Geschlechter und sexueller Orientierungen konfrontiert werden, mit höherer Wahrscheinlichkeit eine größere Akzeptanz gegenüber anderen Menschen entwickeln. Das bedeutet, bereits durch die Repräsentation von Vielfalt in den Medien, unsere Kinder lernen, dass divers zu sein nichts Schlechtes ist. In einer Gesellschaft es die Norm sein sollte, dass vielfältige Gruppen von Menschen zusammenleben. Somit könnte man auch Diskriminierung entgegenwirken.

Darüber hinaus kann der Kontakt mit vielfältigen Medien zu einer stärkeren politischen Beteiligung junger Menschen führen, was zu einem größeren sozialen Wandel beitragen kann. Dies kann einen Dominoeffekt hervorrufen, der zu weniger Diskriminierung in anderen Lebensbereichen und dem Abbau von Stereotypen und Missverständnissen führt. Man kann also deutlich erkennen, dass Diversität gerade für die junge Gesellschaft von großem Wert ist und vor allem die Medien darauf achten müssen, dies nicht zu vernachlässigen.

Wir müssen mehr tun!

Zusammengefasst kann man deutlich erkennen, dass die Vielfalt in den Medien eine wesentliche Rolle für die Schaffung einer integrativeren Gesellschaft, die frei von Diskriminierung und Vorurteilen ist, spielt. Durch die Repräsentanz verschiedener Stimmen und deren Geschichten oder Probleme können die Medien dazu beitragen, das Verständnis zwischen verschiedenen Gruppen von Menschen zu fördern, und gleichzeitig den Einzelnen ein Gefühl der Zugehörigkeit und Bestätigung zu vermitteln. Besonders Kinder und Jugendliche ziehen einige Vorteile daraus, wenn sie in einer diversen Gesellschaft aufwachsen und die Vielfalt als Chance und nicht als Bedrohung erkennen können.

Schon die Vergangenheit hat uns unzählige Male gezeigt, dass Diskriminierung von Menschen die „anders“ sind, niemals zu etwas Gutem führt und es liegt in unserer Verantwortung diese Missstände, aus denen wir gelernt haben, nie wieder zuzulassen.

Es gibt noch einiges an Verbesserungspotenzial in der österreichischen Medienlandschaft, denn sie muss sich um eine sichtbarere Vielfalt in ihren Inhalten bemühen, um eine bessere Welt für alle Menschen zu schaffen und unsere demokratischen Werte aufrechtzuhalten und zu leben.

References

  • Billard, T. J. & Gross, L. (2020). LGBTQ Politics in Media and Culture. Oxford Research Encyclopedia of Politics. https://doi.org/10.1093/acrefore/9780190228637.013.1263
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  • Wischermann, U. & Thomas, T. (2008). Medien – Diversität – Ungleichheit: Zur medialen Konstruktion sozialer Differenz (Medien, Kultur, Kommunikation). VS Verlag für Sozialwissenschaften.
  • Zegarra-López, A. C., Garcia-Rabines, D. & Okumura-Clark, A. (2022). Factors associated with depression in Peruvian LGBT + individuals exposed to discrimination and violence. Journal of Gay & Lesbian Social Services, 1– 27. https://doi.org/10.1080/10538720.2022.2126913

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