By Wolfgang Maximilian Reiter
Wir leben in einer Zeit, in der sich alles rasend-schnell weiterentwickelt. Das merke ich als Student der Kommunikationswissenschaft besonders auf dem Gebiet der Medien. Diese Entwicklung habe ich auch während meines Bachelor-Studiums wahrgenommen. Ich fühle mich längst nicht mehr up to date und die unglaubliche Entwicklung von Social Media hat auch mich, mit 28 Jahren, schlichtweg überrollt. Ich nutze die verschiedenen Kanäle ohnehin nur sehr spärlich und weigere mich bis heute einen Instagram-Account anzulegen. Ja! ich fühle mich alt. Ich sitze vor meinem Computer, schreibe an meiner Bachelorarbeit zum Thema „Die Rolle der Nachrichten in der zwischenmenschlichen Kommunikation zwischen Kindern und ihren Vertrauenspersonen“ und beginne zu verstehen, wie schwierig es für die Generation der 6- bis 14-jährigen Kinder sein muss. Und dann kam im Dezember 2019 der Donnerschlag. Der erste Lockdown kam am 16. März 2020. Ende 2020 traf uns der Virus Covid-19 wie ein Blitz und veränderte unser Leben schlagartig. Durch die blitzschnelle Ausbreitung des Corona-Virus wurde die Gesellschaft in kürzester Zeit mit zuvor nie dagewesenen Problemen konfrontiert. Als Europäer wurde man durch die Ausnahmezustände in Italien erst richtig aufmerksam und begann zu realisieren, welche einschneidenden Zeiten bevorstehen könnten. Der Corona- Virus traf auch Österreich, zuerst noch sehr milde, dann aber mit voller Härte und die Bevölkerung musste massive Einschnitte hinnehmen. Ausgangsbeschränkungen, Mundschutz-Masken, Quarantäneverordnungen und Ausgangssperren wurden in Europa flächendeckend zur Normalität – sofern man diesen Zustand als „normal“ bezeichnen kann. All diese Vorschriften und Beschlüsse sind massive Einschnitte in unser Leben und Verlangen der Gesellschaft alles ab. Besonders schlimm gestaltet sich diese Situation für Kinder und Jugendliche. Die jungen Menschen werden plötzlich mit Schulschließungen, Ausgangssperren und Unterbindung der Sozialkontakte konfrontiert. Digitale Medien, welche ohnehin schon verstärkte Nutzungszahlen aufweisen wie das Hans Bredow Institut [1] betont, werden in Zeiten von Homeschooling und Social Distancing die bedeutendsten Begleiter im Alltag der jungen Menschen. Kindern und Jugendlichen bieten sich somit neue Möglichkeiten. Gleichzeitig steigt aber auch das Risiko von negativen Erfahrungen. Der Medienpädagogische Förderverbund Südwest hat 2019 eine fortlaufende Jugend & Medien-Studie präsentiert. Die Basisuntersuchung zur Mediennutzung von 12- bis 19-jährigen [2] liefert Daten zur Mediennutzung von Kindern und Jugendlichen. Bei der Erhebung 2019 stellte sich heraus, dass über 95% aller Befragten Kinder/Jugendlichen ein Smartphone, einen Computer, WLAN und einen Fernseher besitzen. Die Mediennutzung der jungen Menschen hat durch Corona massiv zugenommen. Dies ist vor Allem auf die Ausgangssperren und die damit verbundenen Schulschließungen zurückzuführen. Die JIM-Studie 2020 [3] hat bei einer Befragung unter Jugendlichen im Alter von 12 bis 19 Jahren herausgefunden, dass trotz Homeschooling besonders Streamingdienste und Online-Musikportale exzessiver genutzt werden. Im Vergleich zum Vorjahr kann ein Anstieg der Mediennutzungszeit von 60 Minuten pro Tag verzeichnet werden. Diese Nutzungszeit wird aber laut der Sonderbefragung JIMPlus-Corona [4] [5] verstärkt in Unterhaltung (60%) investiert, weniger in Kommunikation und Information (40%). Durch den erhöhten Konsum steigt auch die Gefahr mit negativen Erfahrungen konfrontiert zu werden. Manfred Spitzer macht in seinem Artikel Mediennutzung in Zeiten von Corona [6] auf die exzessive Mediennutzung aufmerksam und zeigt mit welchen Gefahren Kinder und Jugendliche konfrontiert werden. Spitzer sieht Fakenews, soziale Isolation, Hate-Speech, Radikalisierung, Manipulation, fehlende Privatsphäre, Panikmache und Bulling als größte Gefahren für junge Menschen. In der MIKE- Studie 2019 wurden 1103 Kinder befragt, ob sie zu mindestens schon einmal Fernsehinhalte gesehen haben, die ihnen Angst gemacht haben, oder nicht für Kinder geeignet waren. Die Umfrage ergab, dass 62,5% der Kinder Inhalte wahrgenommen haben, die nicht für Kinder geeignet waren. 58,5% der Befragten meinten sogar, dass die Inhalte Angst in ihnen ausgelöst hätten [7]. Die Ergebnisse zeigen eindeutig, dass gut 60% aller befragten Kinder negative Erlebnisse hatten und diese sogar bis zu Angstzuständen reichten. Jan Pfetsch hat sich in seinem Beitrag „Digitale Medien und Medienerziehung – Perspektiven von Kindern, Jugendlichen und Eltern auf die Nutzung des Internets und Smartphones“ mit den Problembereichen der Medien beschäftigt und sieht die elterliche Medienerziehung in der Pflicht, um Kinder vor Risiken zu schützen und sie zu medienkompetenten Erwachsenen zu erziehen [8]. In der Theorie lassen sich drei Formen der elterlichen Medienerziehung unterscheiden [9] [10]: Die restriktive Mediation, welche sich durch Verbote und Beschränkungen bestimmter Bereiche, oder der gesamten Mediennutzung auszeichnet. Die aktive Mediation meint die Anstrengungen der Eltern, Kindern Medieninhalte mittels Diskussion oder Reflexion verständlich zu machen. Die dritte Form der Medienerziehung, Co- Mediennutzung bezieht sich auf die gemeinsame Medienerfahrung von Eltern und Kindern.
Klicksafe, eine von der European Commission mitgegründeten Initiative, hat sich dem Thema „veränderte Mediennutzung von Kindern“ angenommen und stellt Eltern und Erziehungsberechtigten Tipps zur Verfügung, um mit den Problemen besser umgehen zu können [11]:
- Mediennutzung ist nicht gleich Medienkonsum. Eltern sollten sinnvollen Mediengebrauch unterstützen.
- Medienkonsum regulieren und im Gespräch bleiben. Eltern sollen mit ihren Kindern im Austausch über den Medienkonsum bleiben.
- Bewegungspausen und bildschirmfreie Zeiten sinnvoll nutzen.Medienzugang sicher und altersgerecht einrichten.Begleitung bei der Mediennutzung. Expertenposition als Erziehungsberechtigte wahrnehmen und die Kinder unterstützten.Vorbild sein.
- Grundregeln für die Mediennutzung aufstellen.
Fazit
Trotz aller Gefahren, welche der Medienkonsum während der Corona-Krise mit sich bringt, dürfen die positiven Effekte nicht ausgeblendet werden. Medien fördern Lernprozesse, Kreativität und helfen bei der Beziehungspflege. Medien sind ein fixer Teil unserer Gesellschaft. Deshalb haben Kinder, laut der UN-Konvention über die Rechte des Kindes, ein RECHT AUF DEN ZUGANG ZU MEDIEN [11] und dies gilt es für Erwachsene zu respektieren und sinnvoll zu nutzen.
Quellen
[1] HASEBRINK, Uwe; LAMPERT, Claudia; THIEL, Kira (2019): Online-Erfahrungen von 9- bis 17-Jährigen. In: Ergebnisse der EU Kids Online-Befragung in Deutschland 2019. Hamburg, 2, Verlag Hans-Bredow-Institut. https://www.hans-bredow-institut.de/uploads/media/Publikationen/cms/media/odfzzoy_EUKO_DE_191209.pdf zuletzt aufgerufen [16.2.2021].
[2] mpfs (2019): Basisuntersuchung zum Medienumgang 12- bis 19-Jähriger. https://www.mpfs.de/fileadmin/files/Studien/JIM/2019/JIM_2019.pdf zuletzt aufgerufen [12.2.2021].
[3] mpfs (2020): „JIM-Studie 2020“ – Jugend, Information, Medien. https://www.mpfs.de/fileadmin/files/Studien/JIM/2020/JIM-Studie-2020_Web_final.pdf zuletzt aufgerufen [12.2.2021].
[4] mpfs (2020): „JIMPlus 2020“ – Lernen und Freizeit in der Corona-Krise. https://www.mpfs.de/fileadmin/files/Studien/JIM/JIMplus_2020/JIMplus_2020_Corona.pdf zuletzt aufgerufen [14.2.2021].
[5] Klicksafe (2021): So verändert Corona die Mediennutzung – Worauf Eltern achten sollten. https://www.klicksafe.de/service/aktuelles/news/detail/mediennutzung-im-lockdown-worauf-eltern-achten-sollten/ zuletzt aufgerufen [18.2.2021].
[6] SPITZER, Manfred (2020): Mediennutzung in Zeiten von Corona. https://www.thieme-connect.com/products/ejournals/pdf/10.1055/a-1193-8248.pdf zuletzt aufgerufen [18.2.2021].
[7] WALLER, G et al (2019): MIKE-Studie 2019. https://www.zhaw.ch/de/psychologie/forschung/medienpsychologie/mediennutzung/mike/ zuletzt aufgerufen am [12.2.2021]
[8] PFETSCH, Jan (2018): Digitale Medien und Medienerziehung-Pespektiven von Kindern, Jugendlichen und Eltern auf die Nutzung des Internets und von Smartphones. In: Praxis der Kinderpsychologie und Kinderpsychiatrie. 67, 2.
[9] GÖTZ, M; MENDEL, C (2020): Kinder, Medien und Covid-19.
https://www.br-online.de/jugend/izi/deutsch/publikation/televizion/33_2020_1/Goetz_Mendel-Kinder_Medien_und_COVID-19.pdf zuletzt aufgerufen [12.2.2021]
[10] BÖCKING, S. (2006): Elterlicher Umgang mit kindlicher Fernsehnutzung. In: Medien & Kommunikationswissenschaft. 54, 4, S. 599ff.
[11] UNICEF (oJ): UN-Konvention über die Rechte des Kindes. https://unicef.at/fileadmin/media/Kinderrechte/crcger.pdf zuletzt aufgerufen [18.2.2021].
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